Silvester-Angst

Silvester steht plötzlich vor der Tür und Du machst Dir darüber Gedanken, wie Du Deinem Hund den Jahreswechsel so angenehm wie möglich machen kannst?

Für viele Hunde stellt die Knallerei eine riesige Herausforderung dar.

Auch wenn dieses Jahr das Böllern im öffentlichen Raum verboten ist, so wird es trotzdem den ein oder anderen Nachbarn geben, der sich nicht daran hält. 

Dabei hilft es nichts, sich darüber aufzuregen, denn dies hilft unseren Vierbeinern nicht weiter.

Ganz wichtig für die kommenden Tage:

Auch, wenn Dein Hund eigentlich nicht so schreckhaft ist, lass ihn trotzdem die nächsten Tage unbedingt angeleint. Jedes Jahr entlaufen so viele Hunde, „denen das Knallen nichts ausmacht“. 

Hast Du einen Hund, der generell schreckhaft ist, sichere ihn doppelt ab. Eine Leine kommt ans Halsband, die zweite Leine ans Geschirr. 

Ich hatte selbst 9 1/2 Jahre einen Hund, der wirklich panisch reagiert hat.

Da helfen auch die gut gemeinten Ratschläge nichts, den Hund bereits während des Jahres zu desensibilieren. Die regelmäßigen Stadtfeste mit abendlichem Feuerwerk haben ihm nichts ausgemacht. 

Wir vergessen jedoch gerne mal, dass Silvester eine Ausnahmesituation darstellt:

  • das Feuerwerk kommt nicht nur aus einer bestimmten Richtung, sondern von überall
  • der Geräuschpegel, aber auch die visuellen Eindrücke und Gerüche sind bei weitem höher als bei jedem anderen Feuerwerk während des Jahres
  • die Hunde sind oft bereits durch Weihnachten auf einem höheren Stresslevel und haben bis zu den ersten Knallereien oft gar nicht die nötige Zeit, um „wieder runter zu kommen“
  • wir selbst sind verunsichert, wie wir mit der Angst unseres Hundes umgehen sollen

Mit folgenden Tips konnte ich meinem „Paniker“ und auch einigen Kundenhunden die vergangenen Jahreswechsel ein wenig erträglicher machen:

  • schon 2 Tage vorher Tag und Nacht das Radio / den TV im Hintergrund laufen lassen, damit es am Silvestertag nicht plötzlich etwas „völlig neues“ ist.
  • am Silvestertag das Radio / den TV bereits mittags laut genug stellen, dass man sich noch unterhalten kann, aber kaum noch etwas von den Außengeräuschen wahrnehmbar ist
  • am Silvestermorgen den Hund körperlich richtig auslasten (langer Spaziergang, Fahrrad fahren, etc)
  • am Silvesternachmittag / frühen Abend den Hund mental auslasten (Suchspiele, Trickspiele)
  • sobald es draußen dunkel wird, die Rolläden runter lassen
  • gegen 23:00 Uhr gibt es noch etwas zum Kauen. Kauen beruhigt.
  • abends ab ca 23:30/23:45 Uhr das Radio oder den TV so laut stellen, dass man sich dabei nicht mehr wirklich unterhalten kann. (Achtung bei eingeschaltetem Fernseher: Manche Sender übertragen ab Mitternacht Feuerwerke! Darauf bitte verzichten und dann notfalls lieber wieder auf das Radio umschwenken.)
  • wenn Dein Hund Schutz sucht, schick ihn nicht weg! Wenn Dein Hund Deine Nähe sucht, sieh es als riesigen Vertrauensbeweis. Er sucht bei Dir Schutz, weil er davon ausgeht, dass Du ihm beistehen kannst. Sucht er sich jedoch irgendwo ein Eck, wo er sich verkriechen möchte, dann gewähre ihm dies und versuche ihn nicht zu zwingen, bei Dir Schutz zu suchen.
  • ich habe bei einigen Hunden schon sehr gute Erfahrung mit „Rescuetropfen“ gemacht. Wirkt nicht bei jedem Hund, ist aber auf alle Fälle ein Versuch wert.
  • Bitte Finger weg von Acepromazin! (Meist unter den Namen „Vetranquil“, „Sedalin“, „Calmipet“ oder „Prequillan“ erhältlich.) Hunde scheinen nach der Einnahme durchaus ruhig und entspannt. Inzwischen weiß man aber, dass Acepromazin keinerlei Wirkung auf das Geräuschempfinden hat oder die damit verbundene Angst mildert. Das Medikament legt lediglich die Muskulatur „lahm“. Das heisst, die Angst bleibt die Gleiche, Dein Hund kann aber keinerlei körperliche Reaktion zeigen und ist in seiner Angst voll und ganz ausgesetzt. 

Selbstverständlich gibt es noch weitere Hilfsmittel wie zB das Thundershirt, das konditionierte Entspannungssignal, etc. Jedoch sind dies keine „Last-Minute-Lösungen“ und müssen erst in Ruhe aufgebaut werden.

Das Thema „Eierlikör“ kommt auch immer mal wieder zur Sprache. Für mich ist es persönlich keine Lösung, wenn mein Hund „nur Angst“ hat.

Hat man jedoch einen richtigen „Paniker“ zu Hause, bei dem selbst die üblichen Medikamente nicht wirken und man bereits schon alle Register gezogen hat kann es durchaus die „letzte Rettung“ sein. Bevor Du Deinem Hund jedoch einfach mal so Alkohol einflößt, erkundige Dich bitte ausreichend bezüglich der Dosierung. Der Tierarzt Ralph Rückert veröffentlicht dazu z.B. jedes Jahr einen ausführlichen Blog.

Zum Abschluss:

Nicht jeder Hund ist gleich. Jeder Hund reagiert an Silvester anders. Oftmals bedarf es ein paar Jahren, bis man die richtige Lösung für den eigenen Hund gefunden hat.

Falls Du noch Fragen zu dem Thema Silvester hast, melde Dich einfach bei mir. Ich gebe zu diesem Thema auch regelmäßig Vorträge.

Liebe Grüße,

Miriam